Grüne Wege für die Güterlogistik von morgen

Besuch bei Milence: Ein Blick in die Zukunft des Schwerlastverkehrs

Im Rahmen seiner Sommertour hat Michael Röls MdL, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Sprecher für Klimaschutz und Energiepolitik, im August den Milence-Standort RE 5 in Recklinghausen besucht. Wir – Jan Matzoll MdL, Maya Sommer (OV RE), Katrin Golz (KV RE) und Roland Gaschnitz (Kreistagsfraktion) – sind gemeinsam mit ihm der Frage nachgegangen: Wie gelingt der Wandel zu einer emissionsarmen Güterlogistik im Ruhrgebiet konkret?

Ein strategisch wichtiger Standort

RE 5 liegt an einem TEN-T-Kernnetz-Korridor, der die Nordseehäfen Rotterdam und Antwerpen mit Hannover, Berlin und Polen verbindet – eingebettet in die europäischen Korridore Rhein-Alpen und Skandinavien-Mittelmeer. Damit ist der Standort weit mehr als eine lokale Ladestation: Er ist ein Baustein eines europäischen Netzes für den Güterverkehr der Zukunft.

Ausbau trotz Netzengpässen

Aktuell verfügt RE 5 über 6 Ladepunkte, von denen jedoch nur 3 mit voller Leistung von 400 kW betrieben werden können – Westnetz kann derzeit keine ausreichende Leitungskapazität bereitstellen. Trotzdem baut Milence bereits auf rund 12 Ladepunkte aus, darunter Megawattladestationen (MCS) mit einer Leistung von über 800 kW. Diese ermöglichen Ladezeiten von nur 30 bis 40 Minuten – angepasst an die ohnehin gesetzlich vorgeschriebenen Lenkzeitpausen von Berufskraftfahrer:innen. EU-weit will Milence bis Ende 2027 an 71 Standorten in 10 Mitgliedsländern insgesamt 284 solcher Megawattladestationen errichten, gefördert mit EU-Mitteln.

Ein Alltag, der überrascht

Zwei Eindrücke prägten den Besuch besonders:
Zum einen die ungewohnte Stille, wenn 40‑Tonner nahezu geräuschlos in die Ladestation einfahren. Zum anderen die hohe Auslastung – selbst an einem gewöhnlichen Wochentag herrschte reger Betrieb. Das zeigt, wie stark die Nachfrage nach Ladeinfrastruktur für E‑LKW bereits ist.

Service und Sicherheit für Fahrerinnen und Fahrer

Der Standort bietet Toiletten, Duschen, eine Lounge sowie Snackautomaten. Ein Online‑Buchungstool ist in Planung. Das Gelände ist geschlossen und überwacht, um das Sicherheitsgefühl zu erhöhen – insbesondere für die wachsende Zahl von LKW‑Fahrerinnen.

Ein Unternehmen mit großer Reichweite

Milence – wurde 2022 gegründet und gehört zu gleichen Teilen Daimler Truck, der Traton Group (MAN, Scania, Navistar) und der Volvo Group. Ziel ist der Aufbau eines europaweiten Ladenetzes für schwere Elektro‑LKW.

Bezahlt wird per Ladekarte, Partnerkarte, App oder Kreditkarte. Der Strom ist ausschließlich grün. Die Kosten liegen aktuell bei 39,9 ct/kW

Der Kostenvorteil rechnet sich

Ein Vergleich macht den wirtschaftlichen Vorteil deutlich: Bei einem Verbrauch von 35 l Diesel/100 km und einem Preis von 2,20 €/l (1,84 € netto) kostet eine Fahrt von 100 km rund 60 Euro. Ein E-Lkw mit einem Verbrauch von 130 kWh/100 km und einem Strompreis von 23 ct/kWh kommt dagegen auf nur 29,90 Euro – weniger als die Hälfte. Hinzu kommen ersparte Mautgebühren, geringere Steuern und Versicherungsbeiträge sowie deutlich niedrigere Wartungskosten.

Kein Wunder also, dass bereits renommierte Speditionen wie Duvenbeck oder Einride ganz oder teilweise auf E-Lkw umgestellt haben. Der Treiber ist dabei oft weniger das Image als vielmehr die Anforderung der Kund:innen: Bei der produktspezifischen CO2-Bilanz muss zunehmend auch der Transport bis zur Auslieferung – etwa bei Neuwagen – mit eingerechnet werden.

Ausbau im Ruhrgebiet – und die Hürden der Politik

Milence sucht grundsätzlich auch im Ruhrgebiet weitere Standorte, wobei üblicherweise ein Mindestabstand von 50 km zwischen den Ladeparks angestrebt wird. Aufgrund der hohen Industrie- und Lkw-Verkehrsdichte im Ruhrgebiet – insbesondere an bestehenden und entstehenden Logistik-Hubs – wird das Netz hier voraussichtlich deutlich engmaschiger ausfallen.

Ein zentrales Problem bleiben jedoch die Genehmigungsverfahren: Häufig dauert es weit mehr als zwei Jahre, bis alle notwendigen Genehmigungen bei Kreis oder Stadt vorliegen. In anderen europäischen Ländern geht dies erheblich schneller – auch bei der Netzanbindung. Interessant, aber angesichts der derzeit wackligen politischen Rahmenbedingungen bei den Netzentgelten schwierig umzusetzen, wäre zudem eine Kombination mit Batteriespeichern oder Windenergieanlagen direkt am Standort. Auch die Standortsuche selbst ist herausfordernd, da Ladeparks in der Nähe einer Autobahn (unter 3 km Fahrstrecke) liegen müssen – geeignete Flächen an Autobahnrastplätzen sind jedoch rar.

Unser Fazit

Der Besuch bei Milence RE 5 zeigt eindrücklich: Die Technik für eine emissionsarme Güterlogistik ist da, die wirtschaftlichen Vorteile sprechen für sich. Was jetzt fehlt, sind schnellere Genehmigungsverfahren, zügigere Netzanschlüsse und eine einheitliche Förderpolitik. Wir setzen uns dafür ein, diese Verfahren zu beschleunigen und die Netze schneller zu verdichten – damit Recklinghausen und das gesamte Ruhrgebiet zu einem europäischen Vorzeigeknoten für emissionsarme Güterlogistik werden.

Mehr Information:
Michael Röls MdL
Jan Matzoll MdL
Milence – offizielle Webseite
Info der EU zu den neun Kernnetzkorridoren TEN-T

–>Der Originalbeitrag wurde auf https://gruene-kreis-re.de/ veröffentlicht.

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